Julia Reda hat viel erreicht. Im Mai 2014 schaffte die damals 27-Jährige als einzige Politikerin der deutschen Piratenpartei den Einzug ins EU-Parlament. Dort setzte sie sich wie keine zweite Abgeordnete für die Modernisierung des europäischen Urheberrechts ein. Ohne Hausmacht im Parlament avancierte Reda zur Speerspitze einer europaweiten Bewegung für die Netzfreiheit. Doch im September stimmte eine Mehrheit der Parlamentarier für einen Entwurf, der äußerst umstrittene Vorschläge enthält. War all die Arbeit umsonst, Julia Reda?
Die Abgeordnete erzählt in dem Podcast vom jahrelangen Kampf gegen Ideen, die zum Schutz von Rechteinhabern die Freiheit aller Internetnutzer einschränken könnten. Denn die derzeit vor dem Beschluss stehenden Entwürfe sehen eine Pflicht zu Uploadfiltern auf Online-Plattformen vor, die auch viele legale und schützenswerte Inhalte aus dem Netz fegen könnten. Das ist mehr als bedenklich, findet Reda:
Man hat Angst vor großen amerikanischen Plattformen und will die regulieren. Aber man tut das in einer Art und Weise, wo man in einen totalen Technikglauben verfällt und glaubt, diese Algorithmen können alles. Eingesetzt werden die von Plattformen, die überhaupt keiner öffentlichen Kontrolle unterliegen. Die einzigen, die vielleicht halbwegs technisch in der Lage wären, diese Filter zu entwickeln, sind Google und Facebook. Und deren Technologie machen wir jetzt verpflichtend für alle.
Im Gespräch erzählt die Piratin nicht nur von dem Ringen um ein faires Urheberrecht, sondern zieht auch ein persönliches Resümee über ihre Jahre im EU-Parlament. Die Abgeordnete hatte angekündigt, bei der kommenden Europawahl nicht mehr anzutreten. „Es ist gleichzeitig viel besser und viel schlechter gelaufen, als ich gedacht hätte.“ Niemals habe sie gedacht, als einzelne Abgeordnete so viel bewegen zu können. Und doch war es scheinbar ein Kampf gegen Windmühlen.
Das ganze Gespräch mit Julia Reda gibt es hier zum Anhören:
Hier ist der netzpolitik.org-Podcast Folge 155 mit Julia Reda als mp3-Download.
Alternativ bieten wir eine ogg-Datei zum Download an.
